Konzept Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit an der Astrid-Lindgren-Schule

 Vorbemerkungen

Die Astrid-Lindgren-Schule ist eine Förderschule der Städteregion Aachen mit dem Förderschwerpunkt der emotionalen und sozialen Entwicklung. Ca. 48 Schüler werden in 6 Lerngruppen gefördert.

Schulsozialarbeit hat an der Astrid-Lindgren-Schule eine lange Tradition. Bereits mit der Schulgründung (1986) stellte Schulsozialarbeit eine Säule des pädagogischen Konzeptes dar. Derzeit arbeiten ein Diplom-Sozialarbeiter mit 100% Beschäftigungsumfang, der bei der Städteregion Aachen und eine Diplom-Sozialpädagogin, 50%, die bei der SPRUNGbrett gemeinnützige GmbH angestellt sind.  Letztere Stelle wurde über das Bildungs- und Teilhabepaket finanziert und ist befristet bis Ende 2014.

 

Definition Schulsozialarbeit

„Unter Schulsozialarbeit wird ein Angebot der Jugendhilfe verstanden, bei dem sozialpädagogische Fachkräfte, kontinuierlich am Ort Schule tätig sind und mit Lehrkräften auf einer verbindlich vereinbarten und gleichberechtigten Basis zusammenarbeiten, um junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung zu fördern, dazu beitragen, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, Erziehungsberechtigte und LehrerInnen bei der Erziehung und dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz zu beraten und unterstützen sowie zu einer schülerfreundlichen Umwelt beizutragen.  Zu den sozialpädagogischen Angeboten und Hilfen der Schulsozialarbeit gehören insbesondere die Beratung (unter Berücksichtigung einschlägiger Beratungsgrundsätze) und Begleitung von einzelnen SchülerInnen, die sozialpädagogische Gruppenarbeit, offene Gesprächs-, Kontakt- und Freizeitangebote, die Mitwirkung in Unterrichtsprojekten und in schulischen Gremien sowie die Kooperation und Vernetzung mit dem Gemeinwesen.“1

 

1 Vgl.: Speck, Karsten. Qualität und Evaluation in der Schulsozialarbeit. Konzepte, Rahmenbedingungen und Wirkungen. S. 23. Verlag für Sozialwissenschaften/ GWV Fachverlag GmbH, Wiesbaden 2006

 

 

Zielsetzung der Schulsozialarbeit an der ALS

Schulsozialarbeit ist ein eigenes Arbeitsfeld im Gesamtkontext der Astrid-Lindgren-Schule und versteht sich als ergänzender und kooperativer Baustein der Sonderpädagogik. Sie bietet den Kindern und Eltern sozialpädagogische Hilfsformen an, um Probleme frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

Durch den sozialpädagogischen Auftrag werden die Schulsozialarbeiter in ihrer Rolle und Position sowohl von den Schülern als auch von den Eltern anders wahrgenommen als Lehrer, die dem schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrag unterstehen. Daraus ergeben sich weitere Formen und Möglichkeiten der Beziehungsarbeit.

Das primäre Aufgabengebiet der Schulsozialarbeiter liegt im sozialen und emotionalen Bereich. Sie bedienen sich hier der Methoden der sozialen Einzel- und Gruppenarbeit. Für die Sozialarbeiter stehen die individuellen Stärken der einzelnen Schüler, die Bedürfnisse und die Möglichkeiten des familiären Systems im Vordergrund. Sie arbeiten

individuell und prozesshaft

Sanktionen sind eine zweitrangige Größe. Beratung, Kooperation, Unterstützung und Akzeptanz stehen im Vordergrund der Arbeit.

Informationen über das Bedingungsfeld, der sozial-emotionalen Entwicklung des Kindes und eigene Beobachtungen bilden die Grundlage für eine umfassende Kind-Umfeld-Diagnostik. Daraus ergeben sich die individuellen Ziele in der Arbeit mit dem Kind, die in den gemeinsam, mit den Sonderpädagogen erstellten Förderplan, einfließen.

Schulsozialarbeit bietet so der Schule und der Jugendhilfe eine wichtige Chance, frühzeitig Probleme von Kindern und Jugendlichen und deren Familien zu erkennen und angemessen auf diese Probleme zu reagieren und fungiert somit als wichtige Schnittstelle zwischen Eltern, Kindern, außerschulischen Kooperationspartnern, Jugendhilfe und Schule.

 

Gesetzliche Auftragsgrundlagen

Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII)

  • § 1 Abs. 1 Recht auf Förderung der Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit
  • § 1 Abs. 3 Satz 2 Beratung und Unterstützung der Eltern bei der Erziehung
  • § 9 (3) Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen, Abbau von Benachteiligungen sowie Förderung der Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen
  •  § 11 Abs. 1 Angebote zur Mit- und Selbstbestimmung und Mitverantwortung
  • § 13 (1) Ausgleich sozialer Benachteiligung/Überwindung individueller Beeinträchtigungen durch sozialpädagogischen Hilfen
  • § 14 Schutz vor gefährdenden Einflüssen, Entwicklung der Kritikfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit
  • §§ 16 – 18 Beratung von Erziehungsberechtigten bei der Erziehung und anderen Lebensfragen
  • §§ 27 – 41 HZE zur Unterstützung der Erziehungsberechtigten
  • § 29 Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen mit dem Ziel soziales Lernen in der Gruppe
  • SGB VIII § 81 Satz 2 Zusammenarbeit mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen insbesondere mit Schulen und Stellen der Schulverwaltung,

Schulverwaltungsgesetz § 5b

  • Pflicht der Kooperation von Schulen mit der Jugendhilfe und anderen Einrichtungen der Bildung, Erziehung und Förderung

 

 

Grundprinzipien und Rolle von Schulsozialarbeit an der Astrid-Lindgren-Schule

Schulsozialarbeit versteht sich als Teil des Entwicklungsprozesses von Ganztagsschule. Die Schulsozialarbeiter sind mit einem Teil ihrer Angebote in das schulische Ganztagskonzept integriert.

Die sozialpädagogischen Angebote im Vor- und Nachmittagsbereich sind unter folgenden Voraussetzungen umsetzbar:

  •   Die Grundprinzipien der Schulsozialarbeit sind Freiwilligkeit, Verlässlichkeit und insbesondere Vertraulichkeit
  •  ist ein eigenständiges Handlungsfeld der Jugendhilfe
  • Schulsozialarbeit ist leicht und ohne Umstände erreichbar
  • Schulsozialarbeit hat ein eigenes und eindeutiges Profil
  • Schulsozialarbeit agiert eigenverantwortlich und selbst bestimmt im System Schule
  • Schulsozialarbeit muss die Funktionsweisen der Schule in ihr Handlungskonzept einbeziehen
  • Schulsozialarbeit kooperiert mit Schule und ist gleichberechtigter Partner
  • Schulsozialarbeiter sind unabhängige Vertrauenspersonen
  • Schulsozialarbeiter sind Multiplikatoren
  • Schulsozialarbeit basiert auf einer ganzheitlichen, lebensweltbezogenen und lebenslageorientierten Förderung von Kindern und Jugendlichen
  • Schulsozialarbeit arbeitet ressourcen- und sozialraumorientiert
  • In der Schulsozialarbeit gelten die Maximen: Prävention vor Intervention und Integration statt Selektion
  • Schulsozialarbeit unterstützt die Schule darin, ihre erzieherische Verantwortung wahrzunehmen
  • Eine positive Wertschätzung der Kinder und Jugendlichen, deren Eltern und Familien, der Lehrkräfte und Schulleitungen sind Voraussetzungen für Schulsozialarbeit

 

Umsetzung der Schulsozialarbeit an der Astrid-Lindgren-Schule

Arbeit mit dem Schüler und Voraussetzungen

Erstellung eines fortlaufenden Förderplanes

  • Kind – Umfeld – Diagnose
  • Fördermaßnahmen in der Schule und Familie
  • Fördermaßnahmen wohnortnah
  • Austausch und Abgleich mit Sonderpädagogen
  • Gemeinsam erarbeitete Fördermaßnahmen

a)     Einzelfallhilfe

Hierzu gehören:

Beziehungsaufbau / Vertrauensbildende Maßnahmen / Förderung sozialer Kompetenzen / Konfliktlösungstraining / Kriseninterventionen / Vermittlung von Handlungskompetenz / Ressourcen stärken und nutzen / Interventionen / Rollenfindung / Erlebnispädagogische Angebote

Zu folgenden Themen:

  • Ängstlichkeit/mangelndes Selbstvertrauen/Schulangst
  •  Lern- und Konzentrationsstörungen
  • Streit mit Mitschülern
  • Probleme mit Lehrern
  • Gewalt/Aggressionen
  • Misshandlung/Missbrauch
  • Familiäre Probleme
  • Förderortswechsel (Begleitung des Ablösungsprozesses)

b)    Gruppenarbeit

Hierzu gehören:

Konfliktlösungstraining / Förderung der Gruppenfähigkeit / Kooperations- und Vertrauenstraining / Sozialtraining / Projektarbeit / Soziales Kompetenztraining / Geschlechtsspezifisches Angebot / Rollenspiel / Offene Angebote

 

Zu folgenden Themen:

  • Erarbeitung von Gruppenregeln
  • Rolle in der Gruppe
  • Umgang mit Wut, Frust
  • Teamarbeit
  • Konzentration
  • Spielen / gewinnen und verlieren
  • Freies Sprechen in der Gruppe
  • Kreativität
  • Förderortswechsel

 

Arbeit mit den Eltern
Zu folgenden Themen:

Abbau von Schwellenängsten gegenüber der Schule / Motivationsarbeit /
Erziehungsberatung / Lebenspraktische Beratung / Konfliktberatung / Förderung der Erziehungskompetenz / Vermittlung und Aufklärung von Angeboten der Jugendhilfe und anderer Institutionen / Verständnis für das eigene Kind erleben und entwickeln / Beratung zum Bildungs- und Teilhabepaket

 

Umsetzung:

Hausbesuche, Telefonate, schriftliche Mitteilungen, Elterncafe, Teilnahme an HPG und Begleitung zu sozialen und anderen Einrichtungen

Schulintegrative Maßnahmen
Z.B.: Mitarbeit in verschiedenen Teams und Lerngruppen also regelmäßigerAustausch / Beratungsorientierte Teilnahme am Unterricht, Hospitation in der Klasse / Kollegiale Beratung zwischen Sonderschullehrern und Schulsozialarbeiter / Mitarbeit bei Wandertagen, Klassenfahrten und Schulfahrten / Pausenaufsicht/ Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften / Mitarbeit bei der Schülermitverwaltung – BRT / Teilnahme an Mitarbeiter-, Gesamt- und Fachkonferenzen / Mitarbeit bei Projektplanungen und –entwicklungen / Vor- und Nacharbeiten mit dem Klassenlehrer bei Klassenkonferenzen / Kollegiale Fallberatung / Elternpflegschaft/Schulpflegschaft/Schulkonferenz / Sprechstunde für alle Schüler

Kooperation mit anderen Institutionen
Kooperationsarbeit mit Institutionen, die am Entwicklungsprozess der Schüler und Eltern beteiligt sind.Jugendhilfe, 5 Jugendämter, Teilnahme an Hilfeplangesprächen, Helferkonferenzen / Heilpädagogische Tagesgruppen / Sozialpädagogische Familienhilfe / Erziehungsbeistand / Erziehungsberatungsstellen / Heimen /Zusammenarbeit mit Schulkoordinator Schule Jugendhilfe / Kinderärzten, Kinder- und Jugendpsychiatrien, Kindertherapeuten / Förderschulen/ Zusammenarbeit mit den ARGEn der Städteregion Aachen, Zuschuss für Klassenfahrten (Bildungs- und Teilhabepaket) / Sprungbrett gemeinnützige GmbH / Fr. Pittelkow (Bildungs- und Teilhabepaket)

Administrative Aufgaben
Die Vielfältigkeit der schulsozialarbeiterischen Tätigkeit im Rahmen des flexiblen sozial- und sonderpädagogischen Fördersystems und die damit verbundene Informationsvielfalt macht es notwendig, wichtige Daten, Fakten, prozessuale Abläufe, Entscheidungen, Ergebnisse usw. schriftlich festzuhalten. Die Förderpläne sind fortschreibend und werden ständig aktualisiert. Transparenz von Informationen erleichtert die Kooperation im Team. Auch Dokumentation der Gruppenstunden, erreichen der gesetzten Ziele. Die GEW rät dazu, bei der Strukturierung der Arbeitszeit, sowohl feste Kontaktzeiten, als auch Zeit für flexible Kontaktangebote einzuplanen. Insgesamt soll ein Drittel der wöchentlichen Arbeitszeit als Vor- und Nachbereitungszeit zur Verfügung stehen.

Administrative Aufgaben sind:

Erstellung und fortlaufende Aktualisierung der Förderpläne / Kurzberichte und Aufzeichnungen / Vermerke und Evaluationen der Gruppenstunden und Einzelförderungen / Vermerke über Kontakte mit Eltern und weiteren Einrichtungen / Entwicklungsberichte / Vorbesprechungen und Abschlussberichte der Sozialen Gruppenarbeit / Telefonate / Öffentlichkeitsarbeit für Schulsozialarbeit / Organisation von Klassenfahrten/ Kontakte mit der der ARGE / Erarbeitung von verschiedenen Konzepten / Mitgestaltung und Vorbereitung von pädagogischen Konferenzen / Zeiterfassung, KM-Abrechnung, Anträge / PC-Recherche / Statistiken / Jahresberichte

 

Öffentlichkeitsarbeit
Informationsstand bei der Praktikantenbörse an der KatHO NRW, Abt. Aachen/ Vertretung der Schule in mehreren Arbeitskreisen

Arbeitskreise
Kommunaler Arbeitskreis, Schule und Jugendhilfe / Fachkonferenz der Schulsozialarbeiter an Förderschulen für Erziehungshilfe in NRW, Landschaftsverband Rheinland / Arbeitskreis Schulsozialarbeiter in der Städteregion Aachen / Arbeitsgruppe „Soziales Frühwarnnetz“ / Sprungbrett

Anleitung von Praktikanten
Anleitung von Studenten der KatHO / Praktikanten weiterer Schulen

Exemplarischer Wochenplan einer Ganztagsstelle

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
7:30 

Büro

Kriseninterventionen

 

7:30Büro 7:30 

Büro

Kriseninterventionen

 

Einzelfallhilfe

7:30 

Büro

 

– Elternbesuche

– Termine beim   SPZ/Jug. Amt

-Krisenintervention

– Einzelfallhilfe

 

 

 

 

 

7:30

 

Büro

Krisen-

Interv.

9:00

8:10BRT

9:00

Team mit Kirstin

10:00

10:15

Pausenaufsicht

10:45

 

10:15

Pausenaufsicht

10:45

10:45 

gem. Projekt der

Schulsozialarbeit

 

 

12:15

9:00

 

 

LG 3

 

 

12:15

 

Büro

13:00

SchülersprechstundeEinzelfallhilfe EinzelfallhilfeSozialtraining
12:15Freizeit

12:45

12:45

Mittagessen

13:15

12:15Freizeit

12:45

12:45

Mittagessen

13:15

12:15Freizeit

12:45

12:45

Mittagessen

13:15

13:00

 

Konferenz

 

14:00

 

Team

 

16:00

Sozialtraining13:30

 

LG 6

 

15:30

Sozialtraining13:30

 

LG 5

 

15:30

Sozialtraining13:30

 

LG 4

 

15:30

15:30Elternkontakte, u. a. mit SOL/Nachbesprechungen über gebundenen Ganztag/ev. Gemeinsame Vorbereitung für den nächsten Tag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Exemplarischer Wochenplan einer Halbtagsstelle

 

 

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag
  8:45Team Schulsozialarbeit 8:45Kurzinfo/

Krisenintervention/

Sprechzeit/

Büro

8:45Kurzinfo/

Krisenintervention/

Sprechzeit/

Büro

10:15Kurzinfo/ Sprechzeit/Büro 10:15Pausenangebote/

Kontakte

10:45

Sozialtraining/

Einzelfallhilfen

10:15Pausenangebot/

Kontakte

10:45

gemeinsames Projekt

Schulsozialarbeit

10:15Pausenangebot/

Kontakte

10:45

Sozialtraining/

Kontakte

11:30

12:15Mittagessen

12:45

Freizeit

12:15Mittagessen

12:45

Freizeit

12:15Mittagessen

12:45

Freizeit

Büro

(Vor- und Nachbereitungen)

13:15SPRUNGbrett 13:30Sozialtraining/

Einzelfallhilfen

13:00Konferenz

14:00

Team

14:30